Verswiler / Ferschweiler

Ferschweiler

Foto: Jean Bertels (1544-1607), Abt der Abtei Notre-Dame in Luxemburg und später der Abtei Sankt-Willibrord in Echternach – Archives nationales de Luxembourg

Aktuell lässt sich der Name Schram/Schramer/Schramm/Schramen/Schromen/Schronen bis 1725 nach Ferschweiler zurückverfolgen. In jenem Jahr wurde mein Vorfahre Mathias Schronen in Ferschweiler geboren, sein Vater war Johann Schramen (Schromen), die Mutter hieß Barbara. Weder die Geburt von Johann Schramen (etwa um 1695) noch die Eheschließung mit Barbara NN sind im Ferschweiler bzw. Echternacher Kirchenbuch zu finden, obwohl die Kirchenbücher noch bis etwa 1680 zurückreichen.

Von Christian Oberweis, einem lokalen Heimatforscher, erhielt ich im Juni 2000 weitere Informationen, ebenso in seinem fantastischen „Der Ferschweiler Leute Buch“.

Geschichtlicher Überblick

  • Die Frankenzeit (450 – 750)
    Um 450 dringen die Franken in dieses Gebiet ein. Das römische Kastell Bedense machen sie zum Mittelpunkt des neugegründeten Bedgaus, zu dem Ferschweiler von nun an gehört.
    698 erfolgte die Gründung des Klosters Echternach. Damit beginnt für die Eifel die Zeit des Christentums.
  • Die Karolingerzeit (751 – 870)
    Nun gehört unser Heimatort zum Reiche Karls des Großen. Nach seinem Tode (814) wird sein Reich unter seinen drei Söhne aufgeteilt und damit fällt Ferschweiler Lotharingien zu.
  • Die Nachkarolingerzeit (870 – 10. Jhd.)
    Nach 870 wird Lotharingien erneut aufgeteilt und so fällt Ferschweiler nun an Ostfranken, das später Deutschland genannt wurde. Damals erfolgte die Teilung des Kreises Bitburg in den Bedgau und Ardennengau, in Bekow und lslek.
  • Die mittelalterliche Territorialzeit (11. Jhd. – 1442)
    Der Bedgau zerfällt ganz, sein Gebiet wird zersplittert und unter verschiedene Herrschaften aufgeteilt.
    Die Abtei Echternach mit ihrer Tochterniederlassung Prüm, Irminen in Trier, St. Maximin in Trier, Kurtrier und St. Thomas waren die wichtigsten geistlichen und die Grafschaft Luxemburg der hauptsächlichste weltlicher Herrscher.
    Im 13. und 14. Jahrhundert sind Luxemburg und Kurtrier die einflußreichsten Herrscher im Bitburger Land. Ferschweiler gehörte nunmehr zu Luxemburg.
  • Die Luxemburgische Zeit (1443-1506)
    1443 kam Ferschweiler mit Luxemburg an das Herzogtum Burgund.
  • Die Spanische Zeit (1506-1714)
    Durch Heirat vererbt sich Burgund an Spanien. Das spanische Regiment ist hart, so dass die holländischen Gebiete einen Aufstand wagen. Zur Niederschlagung desselben entsenden die Spanier ein Söldnerheer, das in Ferschweiler und Umgebung Winterquartier nimmt (1568).
  • Die Österreichisch – Niederländische Zeit (1714- 1795)
    Im Jahre 1714 kommt Luxemburg unter die Herrschaft der Österreicher (Frieden von Baden). Nun beginnt eine gute Zeit, das goldene Zeitalter des Luxemburger Landes. Die Einwohnerzahl steigt rapide an. So bekam, wohl wegen der hohen Einwohnerzahl, Ferschweiler einen Pastor, obwohl es noch keine Pfarrei war. Bis dahin hatten Mönche des Klosters Echternach den Gottesdienst hier besorgt.
  • Die Französische Zeit (1795-1815)
    Als im Jahre 1795 die französischen Revolutionsarmeen den Kreis Bitburg besetzten, hoben sie das Kloster Echternach auf und verjagten seine Bewohner.

Gesammelte Hinweise im Versuch einer chronologischer Reihenfolge:

Der o. g. Familienname taucht Ende des Mittelalters in Ferschweiler auf.

Über die Anzahl der in Ferschweiler errichteten Gehöfte (Wohnhäuser) informiert uns erstmals ein „Feuerstättenverzeichnis“ (Grob/Vannerus) des Jahres 1528. Im ganzen sind es neun; die Namen der Inhaber lauten:

  • Thiel Peter
  • Michels Marx
  • Thielen Jacob
  • Greten Peters Paul
  • Thielen Peter
  • Dysmars Thiel
  • Ozen Thonis
  • Schramm Clas
  • Schramm Thiel

Hier einige Auszüge aus dem „Verzeichnis der Kauf- und Pfandbriefe, kraft welcher die Erbgüter zu Ferschweiler verkauft, versetzt und nach belieben den Eigenthumb vor den Gerichten zu Echternach übertragen worden“:

  • Ein Erbverlaß de anno 1495, kraft welches Rupart von Holt und dessen Hausfrau Else ihre Behausung, Scheuer, Feldt und Garten, zu Ferschweiler gelegen, vor den Gerichten zu Echternach Clausen von Liünbach erblich übergeben, nach Freiheit, Recht und Gewohnheit der Stadt Echternach. Cottiert. (richtig vermerkt)
  • Ein Kaufbrief de anno 1531, kraft welches Hans Schram von Ferschweiler Claus Schram und Schenette -Eheleute- alle seine zu Ferschweiler gelegene Güter verkauft und vor dem Gerichte zu Echternach übertragen, nach Übung, Freyheit und Gewohnheit selbiger Statt. Cottiert.
  • Jean Schram de Ferschweiller und seine Frau Marguerite de Hynerfeld haben (16. Jhd.) erblich für ewige Zeiten ihr ganzes Erbe – Hof, Stall, Felder, Wiesen – alles, was sie von ihren Eltern und Schwiegereltern geerbt haben, alles gelegen zu Ferschweiler, verkauft an die ehrenwerten Claus Schram und seine Frau Jeanne, Thiel Schram und seine Frau Marie sowie Theis Schram und Elisabeth, seine Hausfrauen.
  • Item ein Erbkauffbrief de anno 1542 kraft dessen verkaufen Schramen Clauß und seine Frau Jeanne dem Schram Thiel und dero Hausfrau Maria ihre gesamten Erbgüter mit allen Rechten, so sie in Dorf und Bann Ferschweiler besessen, für ein Summe von 100 kleinen Florins.
  • Item ein Erbkauffbrief de anno 1550 kraft dessen verkaufen Damian Fasbender von Uren, Trierer Bürger, und seine Frau Elisabeth all ihre Erbgerechtigkeit, so sie sind in und umb Ferschweiler gehabt, an Claus Schram von Ferschweiler für eine Geldsumme von 100 kleinen Florins gängiger Münze (monnaye coursable).

Willibrord Schram (de Vianden) – Mönch, Bibliothekar der Abtei Echternach von 1526 – 1541

1618 – 1648 dreißigjähriger Krieg – Ausbruch der Pest – Hungersnot

Anno 1629 kauft Schramen Michell Korn im Echternacher Kloster.

Anno 1637 sind in Ferschweiler nur noch 8 Häuser bewohnt.

Am 07. April 1657 erschienen die Ferschweiler  Einwohner im Kloster Echternach, um sich Geld zu leihen. Im Darlehensvertrag sind die gesamten Einwohner von Ferschweiler aufgelistet, der Name Schramen taucht nicht mehr auf!

Zu der Feudalzeit wird von einem „Schramen-Lehen“ des Echternachter Männerklosters zu Ferschweiler gesprochen, zeitweilig umfasst es 2 Höfe.

Schramen-Lehen zu Ferschweiler: (Anmerkung: Auch diese Lehensgüter sind um 1700 an mehrere Ferschweiler Leute -gemeinsam- verpachtet. Die Einzelpächter werden „Consorten“ genannt; „consors“ bedeutet: ein ungeteiltes Erbe gemeinsam besitzen.)

Brandlings Joannes Erben, wegen Schramen Mareyen (Maria) theil, so sie von uns haben sind jahrs schuldig 1 sester korn und 7 Eyer. – Item cum consortibus (ebenso mit Consorten), nemblich Faßbenders Jacob, 1 Cappaun; also allhie 1/2 Capp.

Fasbender Jacob jahrs schuldig 1 sest Korn und 24 Eyer. Item gegen Brandlings Johannes, wegen Schramen Marey, 1 Cappaun; ergo hier 1/2 Capp. – Anno 1692 geliebert …

Wer war Brandling Johannes? 1612 und 1642 wird ein Johannes Branliger im Nachbardorf Ernzen geboren!

Gödert/Gotthard Fischer, alias Schramen Peter, nannte sich wahrscheinlich Schramen, weil er im Schramen-Haus (Schramen-Lehen) eingezogen ist.

Dieser Schramen Peter fand um 1655 einen Bienen-Schwarm in Ferschweiler. (Darüber wurde im Kloster Echternach Buch geführt wegen der Abgaben, die zu leisten waren.)

Da der Name Anno 1657 verschwand und später wieder auftaucht, muss man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Personen, die in das Schramen-Haus einzogen, den Namen änderten und sich fortan Schramen nannten.

Im 18. Jhd. sind die Schramen-Leute verarmt.